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Der SchoolJam-Bandwettbewerb in Bochum 2015 steht an: Die Stimmung ist gut. Juchzen und Lachen, Gequietsche erfüllen die Luft, man kann kaum sein eigenes Wort verstehen. Alle sind aufgedreht, aufgeregt, gespannt und harren der Dinge, die da kommen werden...

Die zum ersten Mal dabei sind, sind nervös, die anderen versuchen eher cool zu sein...

Darunter das freundliche Brummen des Schultransits auf der Autobahn in Richtung Bochum-Langendreer. Es ist Mittwoch, der 11. Februar 2015. Um 11.30 Uhr haben wir uns am Musikraum getroffen, Keyboards, einige Schlagzeugteile in den Transit gepackt, dann ging’s los.

Das zehnte Mal! Oder doch schon das elfte? Ich weiß es nicht mehr. Die Jahre vermischen sich, viele gute, sogar sehr gute, aber immer wieder erfolglose Auftritte, mit viel Lob garniert, Ihr seid genau das, um was es bei Schooljam geht usw. Gereicht hat es trotzdem nie. Immer waren es die mehr oder weniger privaten 3- bis 5-Mann-Bands, die am Ende auf dem Treppchen standen. Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf, Spass hat es allen aber trotzdem gemacht, was Grund genug ist, sich immer wieder zu bewerben.

Wir verlassen die A2 und kommen auf die A45. Ich mache mir etwas Sorgen um Yannik, der seit zwei Wochen unter einer Sehnenscheidenentzündung im rechten Arm leidet, was ihn bei den Proben beim Schlagzeugspielen natürlich sehr behindert hat, obwohl er sicherlich der beste einarmige Drummer Hamms und Umgebung ist.
Weiter geht es auf der A40 und schon bald ist die Abfahrt Langendreer erreicht. Wir fahren durch den Ort, wo es einmal blitzt, obwohl der Himmel klar ist, dann kommen wir an dem Opelwerk vorbei, dann sehen wir unser Ziel: Den Bahnhof Langendreer. Wer jetzt etwas in der Größe Hammer Hauptbahnhof erwartet hat, sieht sich enttäuscht, vielleicht ein Viertel so groß, rötlicher Backstein, hübsch anzusehen, ein Kulturzentrum, etwas größer als bei uns  der Hoppegarden oder Radbod. Draußen stehen einige Jugendliche, nervös an Glimmstängeln saugend, die wahrscheinlich zu den andern Bands gehören. Wir laden unsere Instrumente aus, ich bringe den Transit zu einem Parkplatz, gehe dann auch in den Bahnhof.

Man betritt ihn durch eine doppelte Glastür. Im Hintergrund sieht man schon eine recht große und hohe Bühne, links vom Eingang ist ein Tresen, an dem man Getränke erhalten kann, rechts steht Ralf mit seinem Mischpult, der für den guten Sound sorgt, in einem offenen Seitenraum auf der rechten Seite der Halle baut die Fender-Roadshow auf, hier werden neuste Gitarren und Verstärker der Firma Fender vorgestellt, über mir befindet sich ein Balkon, von dem man gut fotografieren kann, links neben der Bühne geht es in den Backstage-Bereich, hier gibt es einen Theatersaal, in dem die Bands ihre Instrumente lagern, sich zusammensetzen können, es gibt Brötchen und alkoholfreie Getränke. Die Jungs von Giant Rooks sind auch schon da, Begrüßung. Wir haben einige Sachen für sie mitgenommen.
Ich begrüsse Franco Parisi, den Tour-Manager von SchoolJam, der auch schon seit etlichen Jahren dabei ist, man kennt sich allmählich. Er holt alle Bands zusammen, begrüsst sie, erklärt die Spielregeln, zwei Bands kommen weiter, diesen Abend würden statt zehn sogar elf Bands dabei sein. Alle Bands würden einen kurzen Soundcheck machen und dann in umgekehrter Reihenfolge des Soundchecks auftreten, zwei Stücke spielen, höchstens 15 Minuten, das zweite Stück würde von der SAE (School of Audio Engineering) professionell aufgenommen. ROCKAGE macht den drittletzten Soundcheck, tritt also als dritte Band auf, als 6sechste oder siebte wäre natürlich besser gewesen.

Yannik geht’s ziemlich schlecht, er scheint sich eine Grippe oder etwas Ähnliches gefangen zu haben, er ist kaum ansprechbar, liegt in der Ecke und versucht zu schlafen. Hoffentlich schafft er es noch zu spielen.
Zwischen uns allen wuseln mehrere Rollstuhlfahrer herum, die zu der Band der Regenbogenschule Münster gehören.  
Die Soundchecks beginnen. Es ist höllisch laut in dem Saal. Um 16.30 sind wir dran. Es dauert zehn Minuten, bis alles angeschlossen ist, dann werden die Monitore eingestellt, dann die Stücke angespielt. Hört sich gut an. Nach uns sind Giant Rooks an der Reihe.
Die Zeit bis 18 Uhr vergeht recht schnell, inzwischen ist Frau Begett eingetroffen, sie schreibt und fotografiert für den Hammer WA.

Dann ist es soweit. Giant Rooks hat ihr eigenwilliges, aber sehr gutes Programm beendet, jetzt ist ROCKAGE dran. Yannik hat sich hinter das Schlagzeug gequält, diesen Auftritt will er sich nun doch nicht nehmen lassen.
Der Moderator macht wieder die alljährliche Lobhudelei auf ROCKAGE, dass es von solchen Schulprojekten viel mehr geben müsste, dass dieses besonders lobenswert sei usw.
„One two three four“ Running geht los, ein Sturm braust über die Bühne, in dem sich Leonie und Sharon gut behaupten. Dann ist Revenge dran, das Stück, mir dem wir uns beworben haben. Und hatten wir eben noch einen Sturm, dann ist es jetzt ein Orkan. Levins Gitarre und Dustins Keys treiben das Ganze getragen von Yanniks Drums und Maiks Bass. Levin spielt ein unglaubliches Solo, das ihm sogar Zwischenapplaus einbringt. Ralf am Mischpult macht seine Sache gut, ich sage ihm lediglich, wann die Solos kommen.
Und dann ist auch schon wieder alles vorbei. Gut gespielt, für mich sogar sehr gut, aber für die Jury sicherlich wieder das Übliche.

Mittlerweile ist der Saal gut gefüllt, die Stimmung ist super und die Bands haben eine Menge Spass. Dieses Jahr ist die Konkurrenz gut, es sind einige starke Bands dabei.
Nach dem Auftritt der elften Band zieht sich die Jury zurück, eine halbe Stunde spielen die Schooljam-Sieger des letzten Jahres Goldmouth, eine richtig klasse Band.
Dann kommt die Jury auf die Bühne, erst einmal werden T-Shirts und Taschen (alles Werbeartikel) verschenkt, eine Gitarre wird verlost. Ich bin jetzt nicht mehr sonderlich interessiert. Zehnmal habe ich den nächsten Teil schon mitgemacht, zehnmal war ich gefrustet, also gehe ich schon mal zum Transit einpacken. Unterwegs meint Frau Begett zu mit, falls was sei, würde sie rufen, ich grinse nur.

Als ich den Transit wieder zuschließe, höre ich einen gellenden Schrei, ich seh Frau Begett vorm Eingang der Halle stehen, wild gestikulierend, ich höre Wörter wie „ROCKAGE, gewonnen“. Das passt einfach nicht in meinen Kopf rein, nach zehn Jahren nichts und dann… meine Gehirnwindungen wehren sich. Mechanisch gehe ich in die Halle, Frau Begett umarmt mich begeistert, ich lasse alles über mich ergehen und sehe tatsächlich zwei Rock-AGler auf der Bühne stehen, die gerade gefragt werden, ob sie ein Duo seien. Nach und nach kommen die anderen auf die Bühne. Ungläubig schaue ich dem Geschehen zu. Aber es lässt sich nicht übersehen, da stehen alle sechs von ROCKAGE auf der Bühne und freuen sich, auch Yannik ist glücklich, es scheint wirklich wahr zu sein… Und dann werden auch noch Giant Rooks als weitere Band gewählt, noch drei Schüler vom Stein, sensationell!!!
Auf der Rückfahrt nach Hamm habe ich allmählich realisiert, dass ROCKAGE zum ersten Mal ins Internet-Voting gekommen ist und jetzt liegt es an unserer Schule, ob wir unter die letzten Acht kommen und nach Franfurt zur größten Musikmesse der Welt fahren können, wo diese 8 Bands die beste Schülerband Deutschlands ausspielen. Dazu später mehr. 

Ein persönlicher Bericht von W. Sperling

             
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