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„Schule war unser Leben.“ Frau Kuhlmann und Frau Gräfen verlassen nach 38 bzw. 25 Jahren das Stein. Die zwei menschlich sowie fachlich höchst geschätzten Lehrerinnen wurden am letzten Schultag vor den Sommerferien vom Kollegium, der selbsternannten Familie, verabschiedet und lassen die Stein-Schüler und Lehrer nur schweren Herzens hinter sich.

Nach abgeschlossenem Referendariat kam Gudrun Kuhlmann bereits am 1. August 1980 an das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. „Sie unterrichten ja wenigstens ein anständiges Fach.“, nach dieser eher harschen Begrüßung durch den damigen Schulleiter war sich die Englisch- und Pädagogik-Lehrerin zunächst unsicher, ob sie im fast ausschließlich aus Männern bestehenden Kollegium ihre berufliche Zukunft gestalten werden könne. Doch nachdem auch weitere neue Kolleginnen und Kollegen angestellt worden waren und sich die junge Lehrerin an unserer Schule immer mehr eingelebt hatte, bekam das Stein über die Jahre einen ganz besonderen Platz in Frau Kuhlmanns Herzen.

Dreizehn Jahre später, am 1. August 1993, stieß dann auch Doris Gräfen zum Kollegium hinzu. Sie arbeitete zuvor im Landesinstitut für Schule in Soest, da nach ihrem Studium eine regelrechte Lehrerflut herrschte und dies eine Anstellung an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule erschwerte. Obwohl ihr zunächst eine Stelle in Winterberg im Sauerland in Aussicht gestellt worden war, war sie sehr froh, dass das Stein ihr ebenfalls einen Arbeitsplatz anbot. Die kürzere Fahrtzeit war einer der ersten Vorteile für die junge Lehrerin, doch bereits nach der ersten Begrüßung innerhalb des Kollegiums fühlte sich Frau Gräfen bereits wohl. Frau Kuhlmann erinnert sich noch gut: „Wir saßen zu Anfang im alten Lehrerzimmer beisammen und ich sollte Doris (Gräfen) die Bücher zeigen“. Direkt in ihrer ersten Woche als junge Lehrerin am Stein sollte Frau Gräfen aufgrund einer Projektwoche an der Schule eine Klasse von Frau Kuhlmann übernehmen.

Seitdem unterrichteten die beiden Lehrerinnen zusammen am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und wuchsen immer stärker mit der Schule, den Schülern und dem Kollegium zusammen. Vor allem die Feiern innerhalb des Kollegiums, die selbst bei winterlichen Temperaturen bis nachts um 4 Uhr andauern konnten, machten nicht nur Spaß, sondern stärkten auch den Zusammenhalt des Kollegiums. Beide Lehrerinnen loben diesen Zusammenhalt und die stetige Unterstützung zwischen den Lehrerinnen und Lehrern, da selbst in Krisenzeiten das Kollegium als eine Art „Familienersatz“ und Rückhalt diene.

Neben dem Kollegium werden den beiden Kolleginnen aber natürlich auch die Schülerinnen und Schüler fehlen. Sie machten die Arbeit als Lehrerinnen abwechslungsreich und spannend, denn das Unterrichten sei nicht nur eine reine Fächervermittlung, so Kuhlmann, sondern auch die Weitergabe von Verantwortung. Eine gute Beziehung zu den Schülern sei immer am wichtigsten für die Qualität des Unterrichts gewesen. Frau Gräfen, die seit ihrer Anstellung am Stein jedes Jahr Klassenlehrerin war, betonte, dass die Klassen immer wieder als eine Art „Anker“ dienten. „Je mehr Kraft man investieren musste, umso stärker war der spätere Zusammenhalt zwischen Lehrern und Schülern“, bestätigten beide Lehrerinnen.

Höhepunkte während ihrer Lehrerlaufbahn gebe es zwar unzählige, dennoch brachten vor allem die Berichte über Kursfahrten oder Schulfeiern bei beiden Lehrerinnen ein freudiges Lächeln auf die Lippen. Frau Gräfen sei besonders froh über die tolle Atmosphäre in der Fachschaft Französisch. So war es kein Wunder, dass sie zusammen mit dem von ihr ernannten „Dream-Team“, oder eher „équipe de rêve“, nun schon sechs mal die alljährliche Parisfahrt unternommen hat. Außerdem seien die Kurstreffen mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern bei ihr Zuhause schon immer ein ganz spezielles Highlight für Frau Gräfen gewesen und gehörten nicht zuletzt schon zur andauernden Tradition.
Frau Kuhlmann berichtete freudig über den USA-Austausch und die immer spaßigen Studienfahrten nach Irland. Erinnern tut sie sich vor allem noch an die stets amüsanten Touristenführer im irländischen Reisebus. „Boah, echt scha(r)f hier!“, beschrieb ein junger Mann die Landschaft, während sich eine Schafherde direkt vor dem mit Schülern vollgepackten Reisebus ihren Weg über die Straße bahnte.

Wie lange die beiden Lehrerinnen nun schon am Stein sind, wird uns Schülern aber zuletzt dadurch bewusst, dass Frau Kuhlmann und Frau Gräfen schon Schülerinnen und Schüler unterrichteten, die heute bereits wieder Lehrer am Stein sind. Frau Kuhlmann hatte schon Physik- und Mathe-Lehrer Herrn Wiesendahl bei sich im Englischunterricht sitzen, während Frau Gräfen eine weitere geschätzte Kollegin, Mathe- und Physik-Lehrerin Frau Helm, auf dem Weg zum Abitur begleitete.

In Zukunft freuen sich beide Lehrerinnen darauf, bei Schul-Veranstaltungen wie Konzerten, Kursfahrten oder Theaterstücken weiterhin dabei zu sein. Bekannte Schülerinnen und Schüler bei dem alljährlichen Theaterstück in andere Rollen schlüpfen zu sehen, sei für beide schon immer ein Höhepunkt am Schuljahresende gewesen.

Für die wohlverdiente Freizeit nach ihrer Pensionierung haben sich Frau Gräfen und Frau Kuhlmann vor allem das Reisen vorgenommen. Frau Kuhlmann möchte Freunde in England und anderen Teilen dieser Welt besuchen und so das Reisen mit dem Kontaktpflegen verknüpfen. Frau Gräfen hat sich neben möglichen Reisen nach England, Frankreich oder Italien auch noch vorgenommen, italienisch zu lernen und vielleicht sogar noch einen Motorradführerschein zu machen.

Rückblickend haben Frau Kuhlmann und Frau Gräfen Tränen in den Augen, denn beiden wird nunmehr klar, dass das Stein in jedem Fall die „richtige Entscheidung“ gewesen ist. „Man weiß einfach, dass das Stein besonders ist, wenn man schon morgens beim Betreten des Lehrerzimmers ein Lächeln auf den Lippen hat.“
             
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